Hinter der Frage „Ist eine Wegwerf-E-Mail sicher?“ stecken eigentlich zwei Fragen. Schützt diese Adresse meine Privatsphäre? Und ist das Konto, das ich damit anlege, auf Dauer sicher? Die erste lässt sich weitgehend mit Ja beantworten. Die zweite hängt davon ab, um was für ein Konto es geht, und lautet oft schlicht Nein.
In diesem Artikel legen wir beide Seiten offen, also wo sie hilft, wo sie Ärger machen kann und wie eingehende Mails bei uns technisch geschützt werden.
Was bringt sie für die Privatsphäre?
Stellen Sie sich eine Seite vor, die für einen Download Ihre E-Mail-Adresse verlangt. In dem Moment, in dem Sie Ihre echte Adresse eintippen, haben Sie keine Kontrolle mehr über sie. Sie kommt auf die Marketingliste, wird vielleicht mit Partnern geteilt und taucht womöglich Jahre später in einem Datenleck auf. Mit einer temporären Adresse erreicht Sie kein Glied dieser Kette.
- Keine persönlichen Daten. Bei uns gibt es keine Anmeldung; weder Name noch Telefonnummer noch Passwort werden abgefragt. Die Adresse entsteht automatisch, sobald Sie die Seite öffnen.
- Ihre Hauptadresse bleibt aus Datenlecks heraus. Selbst wenn die Seite, deren Formular Sie ausgefüllt haben, später gehackt wird, steht Ihre echte Adresse nicht auf der Liste.
- Die Tracking-Kette reißt ab. Werbemails enthalten oft Zählpixel, die messen, wer die Mail öffnet. Hängt diese Information an einer temporären Adresse, lässt sie sich schwerer mit Ihrer tatsächlichen Identität verknüpfen.
- Es sammelt sich nichts an. Eingegangene Mails werden nach 24 Stunden automatisch gelöscht. Auf dem Server entsteht kein Postarchiv über Sie, das jahrelang liegen bleibt.
Und wo liegen die Schwächen?
Die zu verschweigen, hilft niemandem. Es gibt Dinge, die eine temporäre E-Mail konstruktionsbedingt nicht kann oder bei denen sie Sie nicht schützt:
- Sie ist nicht dauerhaft. Die Adresse gilt 3 Stunden (und verlängert sich, solange die Seite offen ist). Mit dem Wiederherstellungsschlüssel kommen Sie lange zurück, doch Mails werden nach 24 Stunden gelöscht. Wenn Sie Monate später auf „Passwort vergessen“ klicken, müssen Sie den Schlüssel zur Hand haben, um die Reset-Mail überhaupt lesen zu können.
- Sie schützt nicht vor Phishing. Führt ein Link in der Mail auf eine gefälschte Seite, rettet die Wegwerfadresse die Daten nicht, die Sie dort eingeben. Wohin ein Link wirklich führt, müssen Sie selbst prüfen; dafür haben wir diese Checkliste zusammengestellt.
- Nichts für sensible Inhalte. Ausweiskopien, ärztliche Atteste oder Verträge an ein temporäres Postfach schicken zu lassen, ergibt keinen Sinn. Anhänge werden ohnehin nicht angezeigt.
- Kein Versand. Sie kann nur empfangen. Wenn Sie mit einer Seite korrespondieren müssen, reicht eine temporäre Adresse nicht.
- Manche Seiten lehnen sie ab. Vor allem Plattformen, die mit Fake-Konten kämpfen, sperren temporäre Adressen. Das ist keine Sicherheitslücke, kann Sie aber mitten in einer Anmeldung ausbremsen.
Wie werden eingehende Mails bei uns geschützt?
Die wenigsten denken darüber nach, aber eine HTML-Mail ist im Grunde eine kleine Webseite. Sie kann Formatierung, Bilder, Links und, in den falschen Händen, Skripte enthalten. Liefe dieser Code in Ihrem Browser in derselben Umgebung wie der Rest der Seite, wäre das ein ernstes Risiko.
Deshalb tun wir zwei Dinge:
- Bereinigung. Bevor eine Mail angezeigt wird, werden die Skripte darin entfernt. Eingebetteter Code bekommt also keine Gelegenheit, in Ihrem Browser zu laufen.
- Isolierte Anzeige. Die bereinigte Mail öffnet sich in einem isolierten Rahmen, getrennt vom Rest der Seite. Der Inhalt der Mail kommt nicht an Ihren Posteingang, Ihre Adresse oder Ihre Sitzungsdaten heran.
Anhänge werden gar nicht angezeigt. Das wirkt manchmal unpraktisch, ist aus Sicherheitssicht aber ein Vorteil, wenn man bedenkt, dass ein großer Teil der Schadsoftware per E-Mail über Anhänge verbreitet wird. Die technische Seite beleuchten wir genauer im Artikel zur Sicherheit von HTML-E-Mails.
So sieht sichere Nutzung im Alltag aus
Ein Elektronik-Shop bietet einen Rabattcode für die erste Bestellung, dafür müssen Sie sich registrieren. Im sicheren Szenario kopieren Sie die temporäre Adresse, füllen das Formular aus, die Bestätigungsmail ist nach wenigen Sekunden da, Sie prüfen vor dem Klick, ob der Link wirklich auf die Domain des Shops führt, und holen sich den Code. Wollen Sie tatsächlich bestellen, ändern Sie die E-Mail-Adresse im Konto auf Ihre dauerhafte Adresse, damit Rechnung und Versandinfos ankommen, oder Sie bestellen als Gast.
Riskant wird es, wenn Sie im selben Shop ein teures Gerät kaufen und das Konto mit der temporären Adresse stehen lassen. Schreibt Ihnen der Shop während einer Rücksendung oder eines Garantiefalls, wird diese Mail nach 24 Stunden gelöscht, und Sie erfahren womöglich nie davon. Dasselbe Werkzeug, ein völlig anderes Ergebnis, je nachdem, wie Sie es einsetzen.
Vor- und Nachteile auf einen Blick
| Thema | Mit temporärer E-Mail | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Persönliche Daten | Werden nicht abgefragt, keine Anmeldung | Auch in die anderen Formularfelder nichts Unnötiges eintragen |
| Spam | Erreicht Ihr Hauptpostfach nicht | Spam an die temporäre Adresse wird nach 24 Stunden gelöscht |
| Schadcode | Skripte werden entfernt, die Mail öffnet sich in einem isolierten Rahmen | Vor dem Klick auf Links die Zieladresse prüfen |
| Anhänge | Werden nicht angezeigt | Für Dokumente die dauerhafte Adresse nutzen |
| Kontowiederherstellung | Nur mit dem Wiederherstellungsschlüssel | Für wichtige Konten gar nicht verwenden |
| Zugriff | In Ihrer Sitzung oder mit dem Schlüssel | Den Schlüssel an niemanden weitergeben |
Wo Sie keine Wegwerf-E-Mail verwenden sollten
Die Regel ist einfach. Wenn Sie sich in ein Konto in Monaten oder Jahren noch einmal einloggen müssen, gehört eine dauerhafte Adresse dahinter. Konkret:
- Bank-, Zahlungs- und Krypto-Konten
- Behördenportale und Korrespondenz mit Ämtern
- Arbeit, Studium und Gesundheitsdienste
- Kostenpflichtige Abos und Käufe, für die Sie Rechnung und Garantie brauchen
- Ihr wichtigstes Social-Media-Konto und jedes Konto, das Sie als Wiederherstellungsadresse für andere Konten nutzen
Legen Sie eines dieser Konten mit einer temporären Adresse an, ist das eigentliche Risiko kein Hackerangriff, sondern dass Sie selbst den Zugang zu Ihrem Konto verlieren. Eine längere Liste samt Begründungen finden Sie im Artikel Was Sie mit einer temporären E-Mail besser nicht tun.
Der Wiederherstellungsschlüssel ist klein, aber wichtig
Unter dem Adressfeld, neben dem grünen Schlüsselsymbol, sehen Sie einen 8-stelligen Code wie K7MP-4XQA. Mit ihm öffnen Sie über „E-Mail wiederherstellen“ im oberen Menü denselben Posteingang in einem anderen Browser oder auf einem anderen Gerät. Auch wenn die Adresse abgelaufen ist, funktioniert er noch bis zu etwa einem Jahr.
Der Schlüssel ist im Grunde wie das Passwort für dieses Postfach. Wer ihn kennt, kommt hinein.
- Klicken Sie darauf, um ihn zu kopieren, und speichern Sie ihn in Ihrem Passwortmanager oder einer privaten Notiz.
- Teilen Sie keinen Screenshot davon in großen Chatgruppen, auf gemeinsam genutzten Rechnern oder in sozialen Netzwerken.
- Haben Sie den Verdacht, dass jemand anderes den Schlüssel kennt, nutzen Sie diese Adresse nicht weiter für etwas Wichtiges, sondern holen Sie sich auf der Startseite eine neue.
Wie Sie den Schlüssel im Detail nutzen, erklären wir Schritt für Schritt im Leitfaden zum Wiederherstellungsschlüssel.
Häufige Fragen
Können andere die Mails an meine temporäre Adresse sehen?
Der Posteingang öffnet sich nur in der Sitzung, in der Sie die Adresse erstellt haben, oder mit dem zugehörigen Wiederherstellungsschlüssel. Solange Sie den Schlüssel niemandem geben, hat niemand sonst Zugriff auf Ihre Mails.
Ist es sicher, auf einen Link in einer temporären Mail zu klicken?
Die Mail selbst wird bereinigt und isoliert angezeigt, die Seite hinter dem Link ist aber eine andere Sache. Prüfen Sie vor dem Klick, ob der Link wirklich zu der Seite führt, die Sie erwarten.
Warum sehe ich keine Anhänge?
Anhänge werden aus Sicherheitsgründen nicht angezeigt. Wenn Sie ein Dokument empfangen müssen, verwenden Sie dafür eine dauerhafte E-Mail-Adresse.
Wie lange werden Mails gespeichert?
Eingegangene Mails werden nach 24 Stunden automatisch gelöscht. Zur Adresse selbst kommen Sie mit dem Wiederherstellungsschlüssel länger zurück, alte Mails tauchen dann aber nicht wieder auf.
Ist es legal, eine Wegwerf-E-Mail zu benutzen?
Um die eigene Privatsphäre zu schützen, ja. Betrug oder das Auftreten unter fremdem Namen sind dagegen strafbar, egal mit welchem Werkzeug. Mehr dazu in diesem Artikel.